Helicobacter pylori fällt bei säurebedingten Magenbeschwerden immer wieder unangenehm auf. Die Verschreibung lautet dann häufig auf Antibiotika plus Säureblocker. Noch viel zu wenig wird auf das große Potential von Lactobacillus reuteri zurückgegriffen.

 

Helicobacter pylori ist in vielen Menschen zu Hause. Nun leidet längst nicht jeder Betroffene unter zu starker Säuresekretion und deren Folgen, aber häufig ist eben beides da: Gastritis oder sogar Ulcus und das Bakterium – genau genommen sind es natürlich ganz viele Bakterien.

Der Magen mit seiner extremen Säure ist ein lebensfeindlicher Ort, der sogar den Helicos zu sauer ist. Sie schützen sich, indem sie sich in die Schleimhaut zurückziehen und in ihrer unmittelbaren Umgebung ein milderes Kleinstklima erschaffen. Gleichzeitig schädigen sie allerdings die Schleimhaut in verschiedener Weise, was u.a. zu erhöhter Säurebildung führt.

Protonenpumpenhemmer (PPI) sollen dann die Säure regulieren und kombinierte Antibiotika den Bakterien den Garaus machen. Letzteres funktioniert aufgrund zunehmender Resistenzen nicht mehr besonders gut, und das Herunterregeln der Säure kommt den Helicos im Grunde entgegen – von den Nebenwirkungen der PPIs mal ganz zu schweigen.

Lactobacillus reuteri kommt v.a. in Fleisch und Milchprodukten vorHier kommt nun Lactobacillus reuteri ins Spiel. An sich ist das fleißige Bakterium schon über 100 Jahre bekannt, aber erst in jüngerer Zeit  wurde es genauer erforscht. Es kommt in Fleisch und Milchprodukten vor, kann z.B. die Krankheitsdauer bei Durchfall durch Rotaviren deutlich verkürzen u.v.m.

Unter den zahlreichen L.-reuteri-Stämmen hat sich einer als Gegenspieler zu H. pylori besonders hervorgetan: der Stamm DSM17648, der auch in Deutschland als rezeptfreies Probiotikum zu bekommen ist. Seine Bakterien binden sich spezifisch an Helicozellen, es bilden sich Cluster, die mit der Nahrung abtransportiert werden. Klinische Studien der letzten Jahre zeigen vielfach, dass sich die Resultate der herkömmlichen Therapie damit wesentlich verbessern lassen. Auch als Monotherapie zeigten sich signifikante Verbesserungen!

Vielleicht geht es also in vielen Fällen auch ganz ohne Antibiose und Säureblocker?

Müller, in: Der Heilpraktiker 6/2017, 43 f. (mit detaillierteren Studienergebnissen)
https://en.wikipedia.org/wiki/Lactobacillus_reuteri

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