10 Kernpunkte zur Homöopathie

1: Similia similibus curentur

Belladonna - die Tollkirsche: ein wichtiges Mittel in der HomöopathieDieser Satz ist keine mystische Beschwörungsformel, sondern DER Leitsatz der Homöopathie, nämlich die Ähnlichkeitsregel: Ähnliches soll mit Ähnlichem geheilt werden. Konkret bedeutet das: Ein Patient erhält für seine speziellen Symptome eine Arznei, die genau diese Beschwerden an einem gesunden Probanden (Arzneimittelprüfer) hervorgebracht hat. So könnte man beispielsweise bei einem Patienten, der unter heftigen, pochenden Kopfschmerzen leidet, die sich durch Zugluft verschlechtern, an Belladonna (Tollkirsche) denken, um ihn von seinen Schmerzen zu befreien.

2: Individuell statt standardisiert

Die Ähnlichkeitsregel bedingt, dass es in der Homöopathie z.B. kein Universal-Kopfschmerzmittel geben kann. Für jede Art von Kopfschmerz muss ein für diese Situation passendes Arzneimittel gefunden werden. Das erfordert ein sehr genaues Erfragen durch den Homöopathen (Anamnese) und ein ebenso sorgfältiges Abgleichen mit der sogenannten Arzneimittellehre. Die Verordnung eines homöopathischen Mittels nach„Indikation“ (z.B. „Arznei X bei Kopfschmerz“ oder „Arznei Y bei Blasenentzündung“) entspricht daher nicht homöopathischen Anforderungen und ist ungenau. Anders erfolgt die Arzneiverordnung in der Schulmedizin – hier stehen die Indikationen im Vordergrund.

3: Verdünnt und verschüttelt bis zum „Nichts“

Ist in den homöopathischen Globuli wirklich nichts drin?

Homöopathische Arzneien werden nach einem ganz besonderen Verfahren hergestellt. Stark vereinfacht, lässt sich der Vorgang so beschreiben: Die Ausgangssubstanz wird schrittweise verdünnt, dabei zunächst in einem aufwändigen Prozess verrieben und dann verschüttelt. Homöopathen nennen dies Potenzierung bzw. Dynamisierung. Die Anzahl dieser Schritte kann man an der Zahl hinter dem Arzneinamen erkennen. Da man ab einer bestimmten Verdünnungsstufe kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr nachweisen kann, ist dies einer der häufigsten Kritikpunkte an der Homöopathie. Also alles nur Placebo?

4: Das heilsame „Nichts“

Dass nicht-molekulare Reize beeindruckende Effekte haben können, ist aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen und dem Alltag hinreichend bekannt. Elektrizität oder Strahlung mögen dafür als Beispiel dienen. Bezüglich der Homöopathie können wir derzeit den genauen Wirkmechanismus nicht erklären, sondern nur nachweisen, dass sie wirkt (siehe Studien). Möglicherweise erhalten wir irgendwann eine Erklärung aus der Nanoforschung oder der Quantenphysik. Dass kleinste Mengen giftiger Substanzen heilsame Umkehreffekte auslösen können, ist auch nicht neu und schon lange als Hormesis-Effekt bekannt.

5: Reiz und Selbstregulation

Arnica - Bergwohlverleih: eine sehr bekannte homöopathische ArzneiDie feinen homöopathischen Reize bewirken nichts Geringeres als eine Selbstregulation des Organismus. Die Therapie richtet sich also nicht direkt, wie in der konventionellen Medizin, gegen eine Entzündung, einen Schmerz oder einen Krankheitserreger. Vielmehr werden die natürlichen Abwehr- und Selbstregulationsmechanismen des Patienten aktiviert.

6: Globuli nur bei Alltagsbeschwerden?

Eine homöopathische Behandlung kann in akuten wie chronischen Krankheitssituationen hilfreich sein. Die eigentliche Stärke der Homöopathie liegt sogar in der Behandlung chronischer Leiden und kann manchmal noch positive Resultate erzielen, wenn die konventionelle Medizin an ihre Grenzen stößt. Selbst bei schwerstkranken Patienten mit geringen Heilungsaussichten kann eine homöopathische Behandlung zumindest als begleitende und entlastende Therapie infrage kommen.

7: Gretchenfrage: Homöopathie oder Schulmedizin?

Jeder verantwortungsbewusste Therapeut wird auf diese kategorische Frage mit „sowohl als auch“ antworten. Erfahrung und medizinische Sorgfaltspflicht fordern in jedem Einzelfall eine Suche nach der jeweils besten Lösung für den Patienten. In manchen Fällen ist allein die konventionelle Medizin gefordert, in manchen Situationen kann auch die Homöopathie überlegen sein. Und nicht selten ist eine Kombination genau der richtige Weg. In jedem Fall erfordert auch eine homöopathische Behandlung eine medizinische Diagnostik!

8: Einzelmittel oder Komplexmittel?

Homöopathische Globuli: lieber als Einzelmittel oder als bunte Mischung?Ein klassisch ausgebildeter Homöopath wird immer einer Einzelarznei den Vorzug geben, weil Komplexmittel keiner homöopathischen Arzneimittelprüfung unterzogen wurden. Damit ist die Verordnung nach dem Ähnlichkeitsprinzip zwangsläufig eingeschränkt bzw. ungenau. Insbesondere sind unerwünschte Effekte nicht mehr eindeutig zuzuordnen. Dennoch haben viele Patienten auch mit Kombinationsmitteln gute Erfahrungen. Siehe Selbstbehandlung.

9: Homöopath = Heilpraktiker?

Für viele Patienten sind die Begriffe Homöopathie, Heilpraktiker und Naturheilkunde gleichbedeutend. Tatsächlich aber steht „Homöopathie“ nur für eine ganz spezielle naturheilkundliche Therapieform, die von Heilpraktikern wie Ärzten praktiziert wird. Nicht jeder Heilpraktiker ist somit ausgebildeter Homöopath. Der Titel „Heilpraktiker“ beschreibt, dass man die Heilkunde ausüben darf, nachdem man eine anspruchsvolle medizinische Überprüfung absolviert hat. Eine fundierte homöopathische Ausbildung erfordert eine zusätzliche Ausbildungszeit von 3-5 Jahren.

10: Homöopathie ist „sprechende“, ganzheitliche Medizin

Die große Anamnese ist ein "Markenzeichen" der klassischen HomöopathieSchon der Anspruch an die individuelle Arzneiwahl erfordert, dass ein Homöopath sich sehr viel Zeit nehmen muss, um die Beschwerden eines Patienten genau zu verstehen. Insbesondere bei chronischen Erkrankungen spielen Faktoren, die weit über die aktuellen Symptome hinausgehen, eine Rolle. Das sind die Krankenvorgeschichte, Lebensumstände, weitere Beschwerden und eventuell auch die Konstitution des Patienten. Eine so genannte „Große Anamnese“ kann je nach Patientensituation und homöopathischer Methode 1,5 bis 2,5 Stunden beanspruchen.

 

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